Kurze Einführung:
Ich wiederhole zwar dieses Semester in Deutschland, doch durch etwas unglückliche Umstände musste ich mir hier trotzdem EINE Prüfung, nämlich Pharmakologie, anerkennen lassen.
Der eigentliche Termin war der 9. Juni, und als Art der Prüfung war “mündlich” angegeben. So ein wenig Angst hatte ich ja schon davor, eine mündliche Prüfung auf Italienisch abzulegen, also redete ich mit dem Herrn Professor, der mir auch gleich von sich aus anbot, ich könne die Prüfung auch auf Englisch ablegen.
Eine Sorge weniger, dachte ich mir.
Während des Semesters hatte ich versucht, einigermaßen gut mitzuschreiben und außerdem konnte man sich auch die Powerpoint-Präsentationen des Profs kopieren (Seht her und lernet, Ihr greifswalder Professoren!), also war ich doch recht positiv gestimmt, was das Bestehen der Prüfung anging.
Außerdem hatte mir jeder Erasmus-Student hier versichert, dass die Prüfungen hier einfacher wären (besonders für Erasmus-Leute).
Dann jedoch bekam ich einiges zu tun mit dem Sprachkurs; wir mussten eine Präsentation vorbereiten, Aufgaben im Sprachlabor machen, uns auf die Sprachprüfung vorbereiten….und direkt danach hatte ich meinen kleinen Urlaub zuhause mit Maiks Hochzeit. Folglich fing ich erst mit dem Lernen an, als ich zurückkam.
Da bemerkte ich sehr schnell, dass ich mich wohl etwas überschätzt, und die Masse an Stoff und die Problematik der Sprache unterschätzt hatte.
Es ist doch etwas schwieriger, in einer anderen Sprache zu lernen, als ich dachte…(nennt mich naiv).
Als der 9. Juni kam, war ich sehr unsicher was meine Fähigkeiten anging. Doch kam alles noch viel schlimmer, als ich befürchtet hatte.
Die Prüfung fand in unserem normalen Hörsaal statt, die Prüflinge waren anwesend und der Professor und…..jeder der wollte. Soll heißen, der Prüfling ging einfach nach vorne zum Tisch des Profs und legte seine Prüfung ab, während ALLLE ANDEREN im Saal ihm gespannt zuschauten.
Könnt ihr euch das vorstellen? Nun, ich konnte es nicht. In der greifswalder Pharmazie werden Prüfungen doch eher sehr persönlich abgehalten, worüber ich auch sehr froh bin. Ehrlich gesagt bin ich nicht besonders scharf auf eine öffentliche Erniedrigung. 
Als die ersten Studenten nach vorne gingen wurde mir schnell klar, dass ich nicht genug wusste. Der Prof fragte ziemlich detailliert und wirklich alles.
Von diesem Moment an schlug mein Herz so schnell als wolle es ein Rennen gewinnen, mein Magen drehte sich um und wollte am liebsten heraus aus meinem Körper (kann ich ihm nicht verdenken, ich wäre auch am liebsten weggelaufen) und mit meinen zitternden Händen hätte ich nicht mal mehr meinen Namen schreiben können. Kurz, ich habe mich noch nie in meinem Leben so elend gefühlt. 
Als nur noch eine andere Studentin und ich übrig waren und schnell deutlich wurde, dass sie es nicht schaffen würde, bemerkte ich, dass sie ebenfalls Erasmus-Studentin war (überraschend, da ich bisher dachte ich wäre allein, ich hatte sie noch nie zuvor gesehen), genauso wie zwei andere Mädels, die nur zuschauten. Diese Spanierinnen überzeugten den Prof, uns ein schriftliches Examen zu ermöglichen, zehn Tage später (am 19. Juni).
Versucht euch vorzustellen, wie groß der Stein war, der in diesem Moment von meinem Herzen fiel…
Also setzte ich mich wieder an meinen Schreibtisch. Was irgendwie ätzend war, denn eigentlich hatte ich mir meine letzten Tage in Italien anders vorgestellt (Strand, Rom besuchen, feiern…ihr wisst schon
). Während dieser zehn Tage habe ich mich wirklich angestrengt…(Ehrlich!)…und trotzdem war ich mir am Tag der Prüfung sehr unsicher ob ich es schaffen würde.
Nun, die Themen waren okay, und am Anfang dachte ich, es könne gut gehen, doch dann kam so eine Leere in meinen Kopf (
) und das Nachschlagen der Wörter dauerte zu lange (ich hatte mich übrigens für Italienisch entschieden. was nützt es schon, auf Englisch schreiben zu können, wenn man auf Italienisch lernt und sich alle Fachwörter in dieser Sprache merkt…), sodass ich am Ende einfach nicht genug Zeit hatte.
Außerdem bin ich nicht besonders gut darin, zu einem Thema alles aufzuschreiben, was ich weiß; ohne spezifische Fragen, meine ich.
(für Pharmazeuten: Der Typ der Prüfung war so: 3 Themen, eines aus allgemeiner Pharmako, eines aus ZNS, eines aus Peripheren Sachen. Dazu musste man dann einfach schreiben, was man für wichtig hielt. Ich hatte die folgenden Themen: Distribution, Sedativa & Hypnotika, NSAIDs)
Jedenfalls ahnte ich, dass es nicht ausreichen würde um zu bestehen.
Da hatte ich ein Problem…
Ohne diese Prüfung konnte ich mein Studium in Deutschland nicht fortsetzen, doch der Rückflug war schon gebucht (die ewige Optimistin in mir…und außerdem gehts Anfang Juli zu “Songs an einem Sommerabend”).
Folglich müsste ich zwei neue Flüge buchen und zum nächsten Termin (7. Juli) noch einmal nach Ferrara kommen, um die Prüfung zu machen. Vorläufige Berechnung der Kosten dafür: 150 €.
Ich hätte mich am liebsten selbst in der Luft zerrissen dafür. Und das alles nur wegen einer Prüfung (zum gleichen Thema werde ich übrigens am Ende des Studiums sowieso noch eine Prüfung machen müssen).
Zwar hatte ich noch Hoffung, doch es kam, wie es kommen musste. Am Montag morgen teilte mir der Prof mit, dass ich das Examen so nicht bestanden hatte.
Nun, das kam ja nicht überraschend…
Doch ganz egal war ich dem Prof anscheinend auch nicht und so bot er mir an, am Tag darauf (also einen Tag vor meiner Abreise, heute) nochmal eine mündliche Prüfung zu versuchen.
Natürlich willigte ich ein, man nimmt was man kriegen kann…
Doch auch, wenn das sehr zuvorkommend war seitens meines Profs, was konnte ich schon an einem Tag ausrichten? (Fr war die schriftl. Prüfung, dann Wochenende, an dem ich nicht hatte lernen können-zu aufgeregt, am Mo Ergebnis erfahren, am Di mündl. Prüfung).
Zwei Tage vor meiner Abreise, mit ungepackten Koffern, saß ich also wieder an meinem Schreibtisch und versuchte verzweifelt, noch einmal alles in meinen Kopf zu bekommen, statt alles Nötige vorzubereiten und meine Zeit mit Freunden zu verbringen, die ich vielleicht nie wieder sehen würde.
(So hatte ich mir meine letzten Tage hier wirklich nicht vorgstellt…
)
Heute.
Ich habe eine Prüfung gemacht:
- in Italien,
- mündlich, obwohl ich panisch werde vor mündlichen Prüfungen und lieber fünf schriftliche machen würde als eine mündliche
- auf Italienisch (darauf bin ich besonders stolz)
- über ein Thema, das wir in Deutschland eigentlich über 2 Semester hinweg intensiv behandeln, das hier allerdings nur 1 Semester mit Vorlesungen beinhaltet (Der Stoff wird dadurch allerdings nicht weniger)
und ich habe bestanden
Das Beste kommt aber noch: Der Prof hat nicht nur zu mir gesagt “Du weißt doch alles” sondern hat mir auch noch 26 Punkte dafür gegeben (max. gibts 30).
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich gerade bin…wo ich doch mein Studium schon den Bach runtergehen gesehen habe….
(Auf dem Rückweg hatte ich ein irres Grinsen auf dem Gesicht und habe auf Deutsch mit mir selbst gesprochen. Meint ihr, ich habe jemandem Angst gemacht?)